Zum Hauptinhalt springen

Panikmache oder realistischer Weckruf?

In der Arbeitsgemeinschaft der Dienst und Einrichtungen für Erziehungshilfen (AGE) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart engagieren sich insgesamt 22 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen mit stationären sowie ambulanten Angeboten, Beratungsstellen und berufsbildende Einrichtungen.


Die AGE der Diözese Rottenburg-Stuttgart nimmt Stellung zum Positionspapier des Arbeitskreises der Einrichtungsleitungen Baden-Württemberg „Kinder- und Jugendhilfe droht zu kollabieren“ vom März 2023. Wir begrüßen die Veröffentlichung des genannten Positionspapieres. Es trägt dazu bei, einer dringend zu führenden Debatte Öffentlichkeit zu verschaffen.


Die Rahmenbedingungen in der Kinder- und Jugendhilfe entsprechen bereits seit vielen Jahren viel zu wenig den Anforderungen der dort betreuten Klienten.Herausfordernde Arbeitsbedingungen in der Kinder- und Jugendhilfe verstärken sukzessive den bereits bestehenden Fachkräftemangel. Die in den Gesetzestexten des KJSG formulierten Ansprüche und angestrebten Rahmenbedingungen, scheinen unter den aktuellen Gegebenheiten nur schwer verwirklichbar.


Die Bedeutung der jungen Generation für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung wird trotz Kenntnis über die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland zu wenig in anstehende Entscheidungen der Politik einbezogen: Sämtliche Hilfesysteme, die für Bildung, Erziehung und Förderung der jungen Generation existieren sind mit wenig ausreichenden Ressourcen und Rahmenbedingungen ausgestattet. Das Risiko, einen größeren Teil der jungen Generation, als leistungsfähige und gut integrierte Mitglieder der Gesellschaft zu verlieren, nimmt wahrnehmbar zu.


Das genannte Positionspapier des Arbeitskreis der Einrichtungsleitungen Baden-Württemberg fasst diese bedenklichen Entwicklungen deutlich zusammen und bringt Lösungsansätze in die Debatte ein, deren Umsetzung zeitnahe und ernsthaft diskutiert werden müssen.


In vielen Gremien und Arbeitskreisen sind Expert*innen seit Jahren mit den genannten Herausforderungen befasst. Das Positionspapier unterstützt die Dringlichkeit dieser Bemühungen. Im Rahmen einer Klausur haben wir uns intensiv mit den Forderungen des Papiers auseinandergesetzt, die Lösungsansätze konkretisiert und erweitert. Unsere Expertise bringen wir gezielt in die weiteren Prozesse ein.


Die AGE begrüßt es, wenn die im Positionspapier benannten, höchst relevanten Themen endlich die gebührende Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit bekommen. Dabei verkennen wir die seit Jahren laufenden Anstrengungen keinesfalls, sondern sehen in der deutlichen Fokussierung durch das Positionspapier eine sehr wünschenswerte Befeuerung der laufenden Prozesse.


Allein die Entwicklungen während der Corona-Krise und die Herausforderungen durch die Flüchtlinge haben deutlich gezeigt, wie fragil die Unterstützungssysteme für junge Menschen in unserem Land immer noch sind. Die zur Verfügung stehende Reaktionszeit im politischen Prozess ist bereits sehr knapp. Die eingebrachten Positionen sind keine Panikmache, sondern ein dringend erforderlicher Weckruf. Unsere junge Generation darf nicht verloren gehen. Dafür braucht es stabile Bildungs- und Unterstützungssysteme.